Rede Markowis zur Aktuelle Stunde im Rat: Braucht Hannover ein 18. Gymnasium?

  • Veröffentlicht am: 30. November 2018 - 11:56
Dr. Freya Markowis
Dr. Freya Markowis Foto: Sven Brauers, © Grüne Hannover

Aktuelle Stunde im Rat der Landeshauptstadt Hannover am 29.11.2018, beantragt von der CDU: „Braucht Hannover ein 18. Gymnasium?“

Beitrag Bündnis 90/Die Grünen – Fraktionsvorsitzende Dr. Freya Markowis

 

Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen, Herr Oberbürgermeister,

brauchen wir ein neues Gymnasium? Die Verwaltung meinte ja und hat darauf die entsprechende Drucksache ins Verfahren gegeben. Begründet mit der Tatsache der steigenden Anmeldezahlen an Gymnasien und dem Rechtsanspruch von Eltern auf einen Platz in dieser Schulform.

Der sich anschließende Prozess der politischen Willensbildung lässt sich als einzigartig bezeichnen. Der Schulausschuss hat sich in vier (!) öffentlichen Sitzungen mit der Drucksache befasst und wir haben im VA vor vier Wochen einen endgültigen Beschluss zu der Drucksache gefasst. Trotzdem haben Sie nun eine aktuelle Stunde zu dem Thema beantragt und nun sprechen wir heute noch einmal über die aktuelle Schulplanung in Hannover.

Laut unserem rot-grün-gelben Antrag, ebenfalls im VA beschlossen, soll dieses Gymnasium modellhaft die Aufnahme von Schüler*innen mit einer Lernbehinderung durchführen. Dass passiert bisher an Gymnasien noch nicht und sorgt für eine sehr ungleiche Verteilung der Inklusion. Wenn durch diese neue Schule die Tür für Schüler*innen mit einer Lernbehinderung auch an Gymnasien geöffnet würde, wäre das ein Schritt in die Richtung der Aussage „Alle Schulen in Hannover arbeiten inklusiv“ und das ist für uns ein wichtiger Grund, der Bildung eines 18. Gymnasiums zuzustimmen.

Liebe CDU: Sie hatten beantragt, statt eines Gymnasiums eine weitere Realschule für Hannover zu beschließen, mutmaßlich, damit die Gymnasien weiterhin Kinder in großem Umfang abschulen können. Das finden wir den völlig falschen Weg!

Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass der Weg, den rot-grün vor einiger Zeit bereits eingeschlagen hat, nämlich IGSen einzurichten und weiter auszubauen, der richtige ist. Der Schlüssel zum Glück in Bezug auf weiterführende Schulen ist ein Schulsystem, dass möglichst durchlässig ist und so vielen Kindern und Jugendlichen wie möglich gerecht wird.

Ausschlaggebend für die Frage, welche Schulen wir brauchen, sind allerdings nicht allein die Anmeldezahlen, sondern ist auch der Wunsch der Eltern für einen Platz ihres Kindes an einer weiterführenden Schule. 

Von daher haben wir in der Ampel die Durchführung einer Befragung aller Eltern von Grundschulkindern beschlossen, da wir dann die realen Zahlen der Elternwünsche erhalten werden und so zu einer Schulentwicklungsplanung kommen können, die auf breiteren Füßen steht.

Ähnlich wurde das übrigens schon zwei Mal durchgeführt in Hannover. 2008 und 2011. Ich kann hierzu die Infodrucksache 0133/2012 empfehlen, in der die Ergebnisse dargestellt werden. 55% der Eltern gaben damals an, ihr Kind an einer IGS anmelden zu wollen. Da war klar, dass weitere IGS-Plätze notwendig sein würden, um diesen Bedarf abdecken zu können. Wir wollen, dass die Befragung dieses Mal noch ein wenig ausführlicher stattfindet, damit auch ablesbar ist, warum die Eltern eine bestimmte Schulform für ihr Kind anstreben. Ich wüsste allerdings nicht, warum sich die Prozentzahlen in der Zwischenzeit stark geändert haben sollten und gehe fest davon aus, dass wir dann weitere IGSen in Hannover einrichten werden.