Gardemin zu Zwangsarbeit: Eine konsequente, klare Linie fehlt.

  • Veröffentlicht am: 15. Mai 2019 - 13:49
Daniel Gardemin
© Grüne Hannover, Foto: Sven Brauers

Die Diskussion um Zwangsarbeitende in der Zeit des Nationalsozialismus in Hannover lässt zu wünschen übrig.

Mit Bestürzung verfolgen wir die Äußerungen von Verena Bahlsen zur Geschichte der Firma Bahlsen im Nationalsozialismus. Ihrer Meinung nach hätten es Zwangsarbeitende bei Bahlsen "gar nicht so schlecht gehabt." Das ist eine verheerende Verdrehung des geschichtlichen Erbes, das Firmen wie Bahlsen und andere hinterlassen haben. Gerade in der Industriestadt Hannover haben viele Firmen an der Ausbeutung von Zwangsarbeitenden und Kriegsgefangenen stark profitiert und stehen in der Verantwortung an der Aufarbeitung mitzuwirken.

Der kulturpolitische Sprecher der Ratsfraktion der Grünen, Dr. Daniel Gardemin, fordert Konsequenzen: "Damit Geschichtsvergessenheit nicht neues Unglück in unsere Gesellschaft trägt, fordern wir die Firma Bahlsen auf, sich deutlich zu positionieren und den Weg frei zu machen für eine Aufarbeitung der Werksgeschichte im Nationalsozialismus. Auch von anderen Firmen, Organisationen und Institutionen, die in Hannover vom Krieg profitiert haben, erwarten wir eine gemeinsame Anstrengung, die Geschichte der Zwangsarbeit in Hannover aufzuarbeiten. Das kann mit externen Expertisen geschehen oder auch in der Gründung eines Fonds zur Aufarbeitung."

Zu den Profitierenden von Zwangsarbeit zählten auch die Stadt Hannover, städtische Unternehmen und Institutionen selbst. Auch in diesen Bereichen hat die Aufarbeitung nur sehr lückenhaft stattgefunden. Darauf hat Hans-Dieter Schmid 2016 in einem Gutachten für die Stadt Hannover hingewiesen.

Gardemin zur Rolle der Stadt Hannover: "Wir fordern die Stadt Hannover auf, die aktuelle Diskussion ernst zu nehmen und im Rahmen des derzeit neu entstehenden Erinnerungszentrums eine systematische wissenschaftliche Aufarbeitung der Stadtgeschichte im Nationalsozialismus in Auftrag zu geben."