Steinhoff: Wir werden nicht weichen. Nicht eurer Angst, eurer Ablehnung, nicht eurem Hass

  • Veröffentlicht am: 25. Juni 2020 - 17:02
Renee Steinhoff
Renee Steinhoff, Foto: Sven Brauers, © Grüne Hannover

Als Reaktion auf LSBTIQ*-feindlichen Schmierereien und Beschimpfungen findet in der heutigen Ratssitzung die Aktuellen Stunde „Queerfeindlichkeit in Hannover“ statt. Unsere Sprecherin für Gleichstellungspolitik, Renee Steinhoff, und unser Sprecher für Jugendpolitik, Norbert Gast, beziehen klar Position. Hier kommen Auszüge aus ihren Redebeiträgen zur Aktuellen Stunde:

 

Renee Steinhoff: „Mit Erschrecken und Wut habe ich am Wochenende von diesem perfiden und kriminellen Anschlag auf das QueerUnity und auf Florian Kusche erfahren.

Das QueerUnity, unser queeres Jugendzentrum, titelte: „Dieser Hass ist unser Alltag“. Und das ist es, was wir hier in der Stadt und in der Politik sehen und bekämpfen und wogegen wir weiterhin ganz laut unsere Stimmen erheben müssen.

Homophobie ist kein Einzelfall für queere Menschen. Irritierte, abwertende Blicke, Beschimpfungen, Angriffe, Hass – all das kennzeichnet immer noch queeren Alltag. Aus diesem Grund bin ich wirklich froh über eine starke LSBTIQ* Szene in Hannover, den Andersraum, den CSD und das QueerUnity - einen Schutzraum, den wir in unserer Stadt für queere Jugendliche geschaffen haben. Und diesen werde ich verteidigen, ich werde keinen Fußbreit diesem Hass weichen.

Genauso wenig wie die Nachbarschaft weicht. Die Hass-Parolen wurden überklebt mit Botschaften wie: „Wie könnt ihr nur hassen, dass Menschen sich lieben?“, „Ihr seid hier willkommen“ und „Für eine Welt voller Vielfalt“. Gelebte, einfache, aber große Solidarität. Es ist an uns allen, uns aktiv dem Hass entgegenzustellen. Durch herzerwärmende Botschaften, durch Demos, Solidarität in einer Pöbelsituation, durch geschlechtergerechte Sprache, die Akzeptanz ausdrückt und sichtbar macht.

Corona hat den CSD von der Straße gedrängt, aber wir haben es uns nicht nehmen lassen, im Internet zu demonstrieren. Damit alle leben und lieben können, wen und wie sie wollen. Wir haben in Hannover tolle Beratungsstellen und drumherum viele Engagierte!

Was ich sagen will: Wir sind inzwischen ein selbstverständlicher Teil dieser Stadt, dieses Landes. Und leider macht das scheinbar noch manchem Menschen Angst. Aber wisst ihr was: Das ist mir echt egal. Kommt damit klar, denn nicht wir sind das Problem. Das seid ihr. Wir werden nicht weichen. Nicht eurer Angst, eurer Ablehnung, nicht eurem Hass.“

 

Norbert Gast: „Dieser Anschlag ist schändlich und feige. Was ich aber besonders perfide finde, ist, dass es sich hier um eine Attacke auf einen Schutzraum für Jugendliche handelt.

Das Jugendalter ist für viele sowieso eine schwierige Phase. Eine Zeit des sich-selbst-hinterfragens und der Selbstfindung. Wie viel schwerer muss es für queere Jugendliche sein, ihren Weg zu finden, sich zu outen, festzustellen, dass sie anders lieben, anders fühlen? Wie viel Stärke erfordert es, gegenzuhalten und zu sich zu stehen? Und in diese Situation hinein wird ihr Schutzraum angegriffen.

Der Vorfall zeigt, dass wir uns nicht ausruhen dürfen, sondern immer und überall Homo- und Transphobie entschieden entgegentreten müssen. Wir verurteilen diese Attacke und versichern unsere volle Solidarität mit dem QueerUnity. Wir sind froh, dass wir Euch haben!“