Klingenburg-Pülm: Nach der akuten Coronaphase müssen wir die Medienentwicklung an Schulen beschleunigen

  • Veröffentlicht am: 17. April 2020 - 13:29
Silvia Klingenburg
Silvia Klingenburg-Pülm, Foto: Sven Brauers, © Grüne Hannover

Klingenburg-Pülm: „Nach der akuten Coronaphase müssen wir die Medienentwicklung an Schulen beschleunigen. Das Land sollte finanziell unterstützen.“

Moderne IT-Ausstattung an Schulen ist wichtig. Daher haben wir die Stadtverwaltung bereits zum Haushaltsplan 2012 mit einem rot-grünen Antrag aufgefordert, eine Medienentwicklungsplanung (MEP) für die Schulen in Hannover zu erarbeiten. Die Corona-Problematik führt uns gerade sehr deutlich vor Augen, wie wichtig die Entwicklung zum digitalen Lernen ist und dass Niedersachsen dabei großen Nachholbedarf hat. Für Hannover heißt das, unser Impuls von 2012 für die MEP war richtig, wir sollten unsere Aktivitäten zur weiteren Umsetzung der MEP aber dringend beschleunigen.

Dazu erklärt Silvia Klingenburg-Pülm, Schul- und Bildungspolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion: „Ich freue mich, wenn die Verwaltung bald die Informationsdrucksache „Verfahren zur Fortsetzung des Medienentwicklungsplans der Landeshauptstadt Hannover und Umsetzung des Digitalpakts Schule“ vorlegen wird. Zum letzten Schulausschuss am 19. Februar 2020 wurde sie leider vertagt.

Darin werden gute Verabredungen zur weiteren Umsetzung der MEP enthalten sein, die in drei Workshops mit bemerkenswert guter Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik, Eltern, Lehrer*innen und unter Berücksichtigung der Erfahrungen aus der Pilotphase an 6 Schulen erarbeitet wurden.

Für die Fortsetzung der MEP sind mir bestimmte Punkte sehr wichtig, zum Beispiel der Vollausbau an allen Schulen, inklusive der Grundschulen, sowie soziale Aspekte bei der Festlegung der Reihenfolge des Ausbaus: Vorrangig sollen Schulen mit hoher Anzahl an Schüler*innen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung und mit hoher Anzahl an Sprachlernschüler*innen zum Zuge kommen. Darüber hinaus geht es vorrangig um Schulen mit der Teilnahme am Schule-Plus-Projekt und solche mit geographischer Lage in einem "Soziale Stadt-Gebiet".

Sehr wichtig ist mir zudem eine sozialverträgliche Lösung für den Erwerb oder die Anmietung von Tablets durch die Eltern. Bildung ist ein Menschenrecht und darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Unseres Wissens kostet ein Tablet gemäß der standardisierten Vorgabe inklusive Versicherung rund 550 € in der Anschaffung. Berechtigte des Bildungs- und Teilhabe-Pakets (BuT) würden von der Stadt bei der Miete wie folgt unterstützt: 60 % der Miete trägt die Stadt (Größenordnung 7,50 € mtl.), 40 % der Miete zahlen die BuT-berechtigten Eltern (Größenordnung 5,00 € mtl.). Diesen Anteil müssten die BuT-berechtigten Eltern allerdings selber aufbringen, weil BuT nicht die Kauf- oder Mietkosten für solche Tablets abdeckt. Außerdem ist eine Geschwisterregelung möglich.

Das Land Niedersachsen soll hier eine finanzielle Unterstützung leisten, denn die flächendeckende Einführung von personalisierten, elternfinanzierten, mobilen Endgeräten ist Teil des Masterplans Digitalisierung des Landes Niedersachsen. Es gibt zwar eine Ankündigung des Landes in diese Richtung, allerdings noch keinen konkreten Termin der Umsetzung.

Nach den bisherigen Erfahrungen ist mit einem Zeitraum von bis zu 10 Jahren zu rechnen, um unsere 99 Schulen in Hannover gemäß MEP voll auszubauen. Die Corona-Krise zeigt uns, dass das schneller gehen und der Prozess beschleunigt werden muss.“

Hintergrund:

Die Landeshauptstadt Hannover hat mit der Drucksache Nr. 1965/2015 die Umsetzung eines Medienentwicklungsplans als Pilotprojekt für sechs Schulen beschlossen. Mit einem rot-grünen Änderungsantrag wurde die Verwaltung dabei beauftragt, die Elternfinanzierung (Erwerb oder Miete) zur Anschaffung von Tablets sozialverträglich zu halten (Ds Nr. 2570/2015). In der Informationsdrucksache „Projekt Medienentwicklungsplan (MEP): Evaluation und Rollout“ (Nr. 2977/2019) wurde beschrieben, welche Erfahrungen in der Pilotphase gemacht wurden und wie die Schulen ab dem Jahr 2020 schrittweise in das Programm Medienentwicklungsplan aufgenommen werden können.

In dieser Ds von November 2019 heißt es: „Für den Rollout des Programms Medienentwicklungsplan ist nach den bisherigen Erfahrungen mit einem Zeitraum von bis zu 10 Jahren zu rechnen, um 99 Schulen voll auszubauen. Dieser Zeitraum kann durch erhöhten Mitteleinsatz (Auftragsvergabe/ Eigenfertigung) verkürzt werden.“