Drenskes Rede zur Aktuellen Stunde am 30. August 2018: Extremsommer 2018 - Klimawandel und Schutz vor Klimafolgen in Hannover

  • Veröffentlicht am: 30. August 2018 - 16:17
Pat Drenske

Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, Herr Oberbürgermeister, werte Kolleginnen und Kollegen,

rissige Böden, vertrocknete Pflanzen, schwitzende Menschen, die in Cafes um Schattenplätze ringen. Die Maschseeschifffahrt ist wegen niedrigem Wasser eingestellt. Diese Bilder zeichnen den hannoverschen Sommer 2018. Und damit nicht genug. Der Klimawandel trägt Probleme nach Hannover, die nicht mit Sonnenschirm und einem Becher Spaghettieis zu lösen sind.

Mückenarten, die noch vor wenigen Jahren nicht in unseren Breiten überleben konnten, breiten sich aus und bringen Krankheiten mit.

Das Dengue-Fieber war lange eine Einzelerscheinung - übertragen von Mücken, die Urlauber aus Asien mitbrachten. Heute sind die Mücken in Deutschland heimisch und die Fälle von Dengue-Fieber haben sich seit 2001 verzehnfacht. 100 Gramm Vanille kosten aktuell 60 Euro. Für uns sind steigende Lebensmittelpreise bislang nur ein Ärgernis. In anderen Ländern der Welt bedeutet die Knappheit Hunger. Dieser Hunger führt zu Konflikten und Konflikte führen zu Flucht – so zum Beispiel geschehen in Syrien, wo eine jahrelange Dürre mit verantwortlich ist für den Bürgerkrieg. Und dasselbe passiert in vielen Ländern Afrikas.

Etwas abstrakter beschreibt es das Bundesamt für Statistik: Die drei heißesten Jahre in der Geschichte waren die Jahre 2015, 2016 und 2017. Das Jahr 2018 könnte diese Reihe fortsetzen.

Auch wenn Wetterphänomene nicht per se eine Klimaänderung bedeuten: Die Häufung von Wetterextremen zeigt den menschengemachten Klimawandel. In der Erdgeschichte gab es viele Klimaänderungen – sie vollzogen sich innerhalb mehrerer Jahrtausende, stets abhängig von der CO2-Konzentration in der Luft.

Und jetzt das: Allein in den letzten zwanzig Jahren stieg die Konzentration von CO2 in der Atmosphäre um insgesamt 31 ppm (Teile pro Million). Eine gleich große Zunahme dauerte in der vorindustriellen Zeit 1.600 Jahre – also 80-mal länger. Unsere Wissenschaft ist auch echt gut. Leider, muss man schon fast sagen, stimmen die Prognosen von vor 10 oder 20 Jahren fast auf den Punkt. Und wenn man sich dann überlegt, was uns die Wissenschaft noch ankündigt, bleibt nur noch ein Schluss: Wir müssen handeln. Sofort.

Die gute Nachricht dabei: Klimaschutz ist machbar. Das Fraunhofer Institut hat in einer Studie bestätigt, dass selbst die Klimaziele bis 2020 erreichbar sind - wenn sich die Bundesregierung denn mal bewegen würde. Genau dieses Klimaziel hat sie aber voreilig aufgegeben. Weil Energie- und Autoindustrie selbst zu lange gezögert haben, halten sie jetzt die GroKo im Würgegriff. Es braucht Grüne Regierungsbeteiligungen, um diesen Griff zu lösen.

Die Lage ist also ernst. In einer pluralistischen Welt sind jetzt alle Ebenen gefragt. Hannover kann alleine den Klimawandel nicht stoppen – und ohne die Kommunen kann die Weltgemeinschaft den Klimawandel nicht stoppen.

Die aktuelle Beschlusslage, der „Masterplan 100% für den Klimaschutz“ legt Ziele fest. Sie decken sich mit den Erkenntnissen, die zum Pariser Klimaabkommen. Wir sind nicht allein. Weltweit arbeiten Staaten und Gemeinden daran, die bereits begonnene Erderwärmung zu bremsen.

Bei der Umsetzung ziehen in Hannover viele an einem Strang. Im Energieeffizienz-Netzwerk engagieren sich die größten 30 Unternehmen. Sportvereine sparen Energie im Rahmen von EcoSport. Wohnhäuser und Gewerbeflächen werden mit Gründächern oder Photovoltaik versehen. Und ganz vorne mit dabei ist unsere Stadtverwaltung, die im Jahr 2050 klimaneutral werden will.

Auch die Ampel macht Klimaschutz. Wir haben seit der Kommunalwahl bereits die Umstellung städtischer Flächen auf ökologische Landwirtschaft beschlossen, zusätzliche Maßnahmen für den Radverkehr herbeigeführt und die Anforderungen an den Wohnungsbau bestätigt.

Denn wir wissen: Klimaschutz hat positive Nebeneffekte, er ist gut für unsere Gesellschaft – auch unabhängig vom Klima. Wenn wir es schaffen, den Klimawandel zu bremsen, dann leben wir in einer Stadt mit modernen Häusern, sauberer Luft, lebendigen Wäldern und günstiger Energie. Auch dafür lohnt es sich, einzustehen.

Doch vieles spielt sich innerhalb der Komfortzone ab. Wenn wir nicht wollen, dass die nächsten Generationen ums Überleben kämpfen müssen, sollten wir heute bereit sein, den Gürten enger zu schnallen. Denn das dicke Ende ist gar nicht mehr so weit weg. Ich möchte darauf hinweisen: Kinder, die heute zur Grundschule gehen, werden das Jahr 2100 erleben.

Werte Kollegen und Kolleginnen,

dass wir trotz des starken Engagements noch immer mit einem steigenden CO2-Ausstoß konfrontiert sind, zeigt: Wenn Hannover auch in Zukunft so lebenswert sein soll, müssen die Anstrengungen verstärkt werden. Mehr Radverkehr, mehr E-Mobilität, mehr Photovoltaik, mehr ökologische Landwirtschaft.

Vielen Dank.

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